Digitalisierung und Ökologie

Seit längerem beschäftigt mich die Frage, ob des Einflusses der Digitalisierung auf die Ökologie. Immer wieder einmal gibt es Artikel in verschiedenen Zeitungen, die das Thema meist am Rande behandeln. So berichtet das Magazin Focus beispielsweise darüber, dass das sehr respektierte deutsche Umweltbundesamt auf ein Verzicht bzw. sogar ein Verbot von Smartphones, deren Akkus nicht ausgetauscht werden können, drängt. Auch wenn sich sicherlich kein Politiker auf diese politischen Selbstmord einlassen würde, ist es doch interessant zu sehen, wie der immer noch anhaltende Trend zur Digitalisierung ökologische Erfordernisse tangiert.

Bei mir ist die Frage nochmal konkret aufgetreten, als ich mir vor kurzem meine Fotosammlung meines Jahres beim Yanomami Stamm in Südamerika in Form von Negativen bei diesem Dienstleister habe digitalisieren lassen. Ich bin schon ins Grübeln gekommen, was der ökologische Effekt dieser Aktion bzw. der Digitalisierung im Allgemeinen sein könnte.

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©SergeyNivens/depositphotos.com

Zum einen ist die Wanderung der Darstellung von Informationen hin zu digitalen Medien natürlich stark zu begrüßen. Man stelle sich einmal vor, die ständig wachsende Informationsmenge – gepaart mit einer weltweit immer größer werdenden Zahl von Menschen mit dem nötigen Wohlstand für Bücher, etc. – würde immer noch ausschließlich auf Papier dargestellt!

Auf der anderen Seite wird jedoch vor lauter Begeisterung für die fantastischen Smartphones, Tablets, etc. zumeist völlig ausgeblendet, wie belastend deren Produktion für die Umwelt ist. Parallelen tun sich hier auch zu den Arbeitsbedingungen der Menschen auf, die die mobilen Geräte produzieren. Auch hier ist zumindest bei einigen Menschen am Rande der Wahrnehmung Bewusstsein vorhanden, dass da nicht alles richtig läuft.

Allein die Produktion der Geräte stellt eine immense Belastung für die Umwelt dar – und dies nicht nur wegen der Unmengen an Geräten, die produziert werden müssen, da der technische Fortschritt so schnell ist und die Geräte kaum die Möglichkeit bieten, repariert und somit über einen längeren Zeitpunkt erhalten zu bleiben. Die verwendeten Chemikalien und Metalle tun nämlich ihr übriges, um die Kosten in einer Ökobilanz nach oben schnellen zu lassen.

Aber auch die Entsorgung stellt ein Problem dar, bzw. ist eine Folge der nicht umweltgerechten Produktion. So sind die Geräte nicht auf ein vernünftiges Recycling ausgerichtet, so dass sie in der Regel trotz der schädigenden Bestandteile meist einfach über den Hausmüll entsorgt werden.

Hier ist es sicherlich sinnvoll, mit Ökobilanzen an der Hand die Öffentlichkeit zu informieren und über diese als Konsument der Smartphones und Tablets bzw. über die Politik Einfluss auf die Produzenten zu nehmen. Ein Beispiel hierfür ist – mit interessanten Verbesserungsvorschlägen – diese Ökobilanz.

Für meine Dia Digitalisierung hingegen ist die Aufstellung einer Ökobilanz jedoch nicht wirklich sinnvoll. Man kann auch ohne detaillierte Überprüfung konstatieren, dass der ökologische Nutzen sicherlich negativ ausfällt. Dies wäre anders, wenn die Alternative des Fotoabzug Druckens noch eine realistisch wäre. So kommt man aber nicht umhin festzustellen, dass den entstandenen ökologischen Kosten (Versand, Produktion der Scanner, etc.) kein wirklicher positiver ökologischer Effekt gegenüber steht.

Ich kann aber trotzdem sehr gut damit leben, da natürlich auch immer eine Balance zwischen Naturverbundenheit und Nutzen gefunden werden muss. Und ich möchte meine Erinnerung an die Zeit im Dschungel sicherlich nicht missen!

- Ihr Markus Brecht